In Deutschland wird das Thema Datenschutz immer wichtiger und so war es nur eine Frage der Zeit bis auch Google Analytics auf dem Radar der Datenschützer auftaucht. Aktuell gibt es ja an allen Ecken Diskussionen über die Sammelwut der Google Jungs aus den Staaten. Grundsätzlich ist es natürlich immer von Vorteil wenn man selbst Herr seiner Daten ist und selbst entscheiden kann was man damit machen möchte und was nicht. Deshalb habe auch ich mich auf die Suche nach einer Google Analytics Alternative gemacht und bin auf Piwik (ehem. phpMyVisits) aufmerksam geworden. Piwik ist nicht nur kostenlos, sondern auch Open Source. Das sind gleich 2 Punkte für dieses Programm. Der dritte Punkt auf der Pro Liste ist das es in PHP geschrieben wurde, sich auf eine MySQL Datenbank stützt und Javascript zur Projekteinbindung benutzt. Also genau mein Fall! Im übrigen kann man durch ein paar Eingriffe Piwik vom Speichern der User IP Adressen abhalten, was besonders für uns Deutsche interessant ist.
Installation und Vorbereitung
Die Installation von Piwik war keine große Herausforderung, da man mit Hilfe des Webinstallers so gut wie nichts falsch machen kann. Eine genaue Anleitung gibt es hier. Nachdem man das Tool auf seinem Server hat, kann man seine Webseiten anlegen und den Javascript Code auf seine Projekte verteilen. Es stellt im übrigen kein Problem dar Google Analytics und Piwik gleichzeitig auf einer Seite einzusetzen! Das war mir besonders wichtig für die Testphase. Nachdem man seine Website(s) an Piwik angeschlossen hat, kann man sofort auf die gesammelten Daten zugreifen. Das ist ein reisen Vorteil gegenüber Google Analytics, wo man immer 24 Stunden warten muss bis die Daten angezeigt werden. Piwik arbeitet dabei ähnlich wie Google Analytics. Erst werden alle Daten in einem Log gespeichert und sobald man sich in Piwik einloggt und eine Auswertung öffnet werden sie Processed. Man kann die Reports auch automatisch per Crontab erstellen lassen.
Piwik im Einsatz
Piwik kommt mit einer sauberen und aufgeräumten Admin Oberfläche daher. Im Dashboard kann man sich mit Hilfe von Widgets alle Daten so positionieren wie man es möchte. Um einen Überblick über alle eingetragen Seiten zu erhalten, kann man die All Websites Seite aufrufen.
Der Großteil der Daten wird per Ajax geladen was der Geschwindigkeit und dem User empfinden zu gute kommt. Ein großer Nachteil gegen über Google Analytics ist das die Auswertungen nur auf Tages/Wochen/Monats und Jahresbasis angezeigt werden können. Man kann also keine freien Zeiträume definieren, aber daran arbeitet man gerade im Piwik Team. Ansonsten sammelt Piwik alle Daten die man benötigt. Der Umfang kann sich aktuell zwar noch nicht mit dem von Google Analytics messen, aber wenn man ehrlich ist, dann braucht man vieles auch nicht. Hinter dem dritten Menüpunkt Widgets verbergen sich fertige Iframes, die man zur Veröffentlichung einzelner Auswertungen oder der Sammlung auf einer internen Seite benutzen kann. Clicky Clicky und schon fertig. Wer mehr Kontrolle haben will, für den sind die APIs genau das richtige. Für alle möglichen Module gibt es hier bereits Beispiele (xml, php serialize, json, csv) für die Abfrage der API. Am besten man schaut sich die Online Demo auf piwik.org genauer an.
Das Piwik System
Interessant war für mich natürlich der Blick hinter die Kulisse. So kann man sich nicht nur die Daten direkt in der Datenbank anschauen, sondern auch die Scripte die zur Sammlung zuständig sind. Der Quelltext ist sauber und man findet sich schnell zurecht. Liegt wohl auch daran das Piwik auf das Zend Framework aufsetzt. Die Piwik Funktionen werden als Plugins ausgeliefert. So kann man das was man braucht aktivieren und alles andere abschalten. Aktuell gibt es noch nicht gerade viele Plugins, aber das wird mit der Zeit schon kommen. Die Einbindung in bekannte CMS (WordPress, Typo3, Drupal usw.) ist durch vorhandene Plugins genauso einfach wie mit Google Analytics. Durch die sehr gute API sind auch zusätzliche Tools ohne Probleme möglich. Es gibt bereits 2 sehr gute Kandidaten die die Daten vom Server auf den Desktop bringen. Weitere werden sicher folgen.
Vorteile von Piwik gegenüber Google Analytics
- Man speichert die gesammelten Daten selbst und ist damit selbst Herr der Datenbank
- Open Source! Will man etwas, dann baut man es sich einfach selbst
- Sofortiger Zugriff auf die Daten, nicht erst nach 24 Stunden
- Übersichtlich und nicht so überladen wie Google Analytics
- Sehr einfache Installation. Kein besonderes Fachwissen von Nöten
- Flexible Struktur und durch die Plugin Struktur an allen Enden anpassbar
Nachteile gegenüber Google Analytics
- Freie Auswahl von Zeiträumen gibt es nicht
- Vergleichen von Zeiträumen ist nicht so einfach möglich
- Kleinerer Funktionsumfang und damit weniger Auswertungen
- Man muss sich selbst um die Administration des Tools kümmern
Fazit
Piwik ist eine echte Alternative zu Google Analytics. Mich hatte es sofort gewonnen, da es kostenlos und Open Source ist. Das ich selbst sogar daran mit arbeiten kann (da PHP) ist natürlich ein weiterer Vorteil. Ob ich Google Analytics komplett abschwören werde weiß ich noch nicht, aber für neue Projekte erstelle ich mir dort erst gar kein Konto mehr.

